Frühling 2020 an den Sauerland-Seen

Blauer Himmel und Wind aus nordöstlichen Richtungen – so startet der Frühling 2020 im Sauerland

Trübung bis 8 m Tiefe, keine Fische auf dem Echolot

Streifen von Blütenpollen in einigen Uferbereichen

Kapitales Blaufelchen aus dem Listersee

Hechte sind sehr beliebte Angelfische

Im Frühjahr flach - das geht auch mit der Fliegenrute

Über Erlebnisse und Erfahrungen in diesem Frühjahr berichtet ein echter Kenner der Sauerland-Seen...

Natürlich haben wir uns alle am Ende des Winters unbeschwerte Angelfreuden erhofft. Steigende Temperaturen, muntere Fische, tolle Stunden auf dem Wasser. Aber auch wenn wir unter den Bedingungen des Infektionsschutzes noch angeln dürfen, mir persönlich macht es doch weniger Spaß als sonst. Zu bedrückend finde ich die gegenwärtige gesellschaftliche Situation, als dass ich einfach abschalten könnte.

Seit Wochen haben wir blauen Himmel und teils unangenehmen starken Wind aus nordöstlichen Richtungen. Es sind zurzeit viele Boote auf den Seen, auch am Ufer sah ich wieder vermehrt Angler. Gehofft hatte ich auf eine Seeforelle, hatte ich doch letztens erste eine mit 46 cm noch untermassige Schönheit am großen Spinner. Ich habe eine Runde geschleppt, wie andere auch. Dabei musste ich wiederum feststellen, dass das Setzen der Roten Flagge beim Schleppangeln offenbar nicht allen bekannt oder „vertraut“ ist. Leute, mit dem Setzen der roten Schleppfahne sind auch andere Nutzer der Wasserfläche angehalten auf EUCH Rücksicht zu nehmen! Erst kürzlich bedankte sich sogar ein Wassersportler für meine (freundlichen!) Hinweise auf die Bedeutung meiner roten Schleppfahne. 

Trotzdem ich meine Köder sehr flach über tiefem Wasser auf Seeforelle schleppte, konnte ein Hecht nicht widerstehen und schnappte in der letzten Woche der ihm zustehenden Schonzeit zu. Der Fisch konnte mühelos zurückgesetzt werden.

Die Wassertemperatur lag schon bei 13,4 Grad, deutlich wärmer als noch die Woche zuvor. Man hätte meinen sollen, die Fische würden jetzt beißhungrig regelgemäß im flacheren (wärmeren) Wasser unterwegs sein. Aber in den flacheren Zonen befanden sich gar keine Fische mehr, dabei hatte ich bei wesentlich kälteren Wassertemperaturen um 8 Grad schon gute Fische in 5 m Tiefe erwischt, unter anderem vermehrt Kleine Maränen, die in einigen der Sauerland-Seen zu finden sind.

Aber heute war alles anders. Es sollte nirgendwo auf 3 Kilometer Strecke nennenswert Fisch zu finden sein. Was war geschehen?

Schon beim Losfahren hatte ich es gesehen: eine Art Film aus Treibgut schwamm entlang der Seeströmung. Bei näherem Hinsehen sah man das Problem: Algenblüte. Offenbar Folge der ungewöhnlich langen und starken Sonneneinstrahlung in den letzten Wochen. Überall schwammen Stücke und auch im Mikrobereich vermehren sich die Algen zurzeit stark. Dazu kommen Blütenpollen, die gelbe Filme auf dem Wasser bilden. Das führt u. a. zur Eintrübung im Wasser, eventuell zur Verschiebung des PH-Wertes und die Fische meiden diese Wasserbereiche trotz steigender (angenehmer) Temperaturen. Diese Prozesse sind allerdings völlig normal und lassen sich in vielen Gewässern im Frühjahr je nach Sonneneinwirkung mehr oder weniger stark beobachten. Aber mit dem Wetterumschwung dieser Tage wird sich das auch schnell wieder normalisieren.

Unglücklich für die Uferangler, die in diesen flacheren Bereichen auf Beute hofften. Aber es wird jetzt sicher jeden Tag besser, die Temperaturen stabilisieren sich. Trotzdem ist es auf den wenig strukturierten Seen im Sauerland immer wieder wichtig, die Fische zu suchen. Ein guter Anhaltspunkt ist der Wind. Meist halten sich die Fische in der Nähe des Ufers mit auflandigem Wind oder im Himmelsrichtungssinn etwas rechts davon. Auch starker Wind ist eigentlich gut, da die Fische munter werden, leider aber nicht immer angenehm zum Angeln.  

Trotz sehr weniger Fischechos stellte ich mich dann an einen mir bekannten Platz und versuchte, mit der Hegene in paar Renken zu erwischen. Und wie es manchmal so ist, ich konnte tatsächlich mein mit 45cm bisher größtes Blaufelchen fangen. Und wie es wiederum auch manchmal so ist, es gab keine weiteren Fische.

Die Hechte kommen …

Die Hecht-Saison ist erst seit wenigen Tagen eröffnet und das bedeutet für viele Angler auch traditionell DEN Startpunkt in die neue Raubfischsaison. An manchen der Sauerland-Seen soll man am 1. Mai ja trockenen Fußes von einem Ufer zum anderen kommen, so wird gescherzt. Gemeint ist, dass an diesem Tag – der ja günstiger weise auch noch Feiertag ist - so viele Boote auf den Sauerland-Seen unterwegs seien, dass dies problemlos möglich sei ...

Der Hecht ist immer noch ein unglaublich attraktiver Fisch für Angler. Als einer der größten Raubfische in unseren Gewässern und zupackender Kämpfer an der Angel fasziniert er Groß und Klein. Zudem ist er in den Sauerland-Seen sehr zahlreich anzutreffen. Ich konnte mich selbst vom hervorragenden Bestand überzeugen, als ich im September des letzten Jahres einen Monat lang nur mit der Raubfischangel auf den See ging, die Fische etwa suchte, fand und sehr, sehr viele Hechte fing. 

Die in den letzten Jahren unter Wasseraufklarung zunehmenden Wasserpestbestände (Eldodea) ärgern zwar die Uferangler, bieten aber gerade den Junghechten in den doch strukturarmen Gewässern immer bessere Aufwuchsbedingungen. Man schaue einmal im Juni ufernah in die Krautbänke, nicht selten entdeckt man dort gleich mehrere fingerlange Hechte. 

Aufjeden Fall sollte man die Hechte im flachen Wasser suchen, bevor sich das Wasser zu sehr erwärmt und die Hechte wieder in die Tiefe oder ins von Ufer nicht erreichbare Freiwasser gehen. Wenn die Weißfische laichen, sind die Hechte nicht weit. Man staunt, welche großen Fisch sich dort einfinden. In zwei Metern Wassertiefe fing ich (und das war auch noch mein erster Hecht an der Fliegenrute) meinen ersten richtig großen Hecht in einer Talsperre im Mai am Kraut. Auch Spinnfischen vom Ufer kann in dieser Zeit sehr erfolgreich sein.

Aber auch der Ansitz lohnt sich. Verhält man sich ruhig, sind bei schönem Wetter auch hier am Krautgürtel direkt am Ufer manchmal kapitale Schleien zu beobachten. Auch auf Aal läuft es oft im Frühjahr viel besser als in den warmen Sommermonaten. Vor allem in der Nähe der Steinpackungen sind gute Fänge möglich.

Und schließlich werden auch die Flussbarsche nach der aktuellen Laichzeit wieder aktiver. Ab Mitte Mai beginnt dann wieder eine richtig gute Zeit zum Angeln auf die Stachelritter.

Ich wünsche allen Anglerinnen und Anglern die an den Sauerland-Seen unterwegs sind, Gesundheit und trotz allen Widrigkeiten Erholung an und auf dem Wasser sowie viel Freude an schönen Fängen!