Teil I – Das Angeln mit der Hegene – vielfach unbekannt und doch so erfolgreich!

Angler mit großer Maräne
© Thomas Berowski

Teil I – die Fische

 

Vorbemerkung

Eine „Hegene“? Was soll das denn bitte sein? Naja, im Angelkatalog hat man sowas vielleicht  irgendwo schon mal gesehen oder davon gelesen. Aber was das genau ist? So dürfte es vielen bis den meisten Anglern gehen, wenn sie den Begriff zum ersten mal hören.  Ist eigentlich auch kein Wunder, denn die Art, mit der „Hegene“ zu angeln, ist vorwiegend da bekannt, wo es Renken in den Seen gibt. Vor allem also in südlichen Gebieten wie dem Alpenraum mit seinen großen, tiefen Seen. In der Tat ist das Angeln mit Hegene auch eng mit dieser Fischfamilie verbunden. Später werden wir noch sehen, warum das so ist. Zur Hegene zunächst nur soviel: es handelt sich um ein Paternostersytem mit Endblei und darüber Seitenarmen, an denen kleine, künstliche Mückenlarvenimitate (auch „Nymphen“ genannt) hängen. Auf dem folgenden Foto sieht man, wie eine Kleine Maräne auf ein solches schwarzes Imitat gebissen hat.

Maräne am Haken
Kleine Maräne (Coregonus albula) auf schwarze Nymphe an der Hegene

Renken (oder auch „Felchen“, „Maränen“, genannt) gibt es nicht nur im Alpenraum, sondern auch in großen norddeutschen Seen und – ja! – im Sauerland. Die Fischereifachleute vom Ruhrverband haben in einigen Sauerland-Seen Bestände aufgebaut, die sich sehen lassen können. Leitgedanke war dabei, dass insbesondere die tiefen, kühlen, „oligotrophen“ (nährstoffarmen) und strukturarmen Trinkwassertalsperren Merkmale der alpinen Gewässer zeigen und sich folglich auch Renken dort wohlfühlen könnten. So haben sich z.B. in Bigge-, Verse-, Lister-, Sorpe-, Henne- und Möhnesee gute Bestände der verschiedenen Renkenarten entwickelt. Und das Beste daran ist: diese wohlschmeckenden Fische können auch mit der Angel gefangen werden. Weil es zu diesem Thema eine Menge zu sagen und zu wissen gibt, werden wir euch hier in den kommenden Wochen in insgesamt drei Teilen darüber berichten. Zunächst stellen wir im ersten Teil die fangbaren Fischarten vor, dann in Teil II allgemeine Informationen zu Hegene und Nymphen sowie Ausrüstung und Fangmethoden vom Boot aus. Im dritten Teil werden speziell die Möglichkeiten, vom Ufer aus mit der Hegene zu angeln, behandelt. Zuerst also ein paar Fakten zu den Fischen selber.

 

Renken – die Arten

Renken gehören zur Familie der Lachsartigen, sind also direkt mit Forellen, Saiblingen, Äschen und Lachsen verwandt. Äußeres Kennzeichen ist dabei die Fettflosse, wie sie auch die anderen Salmoniden besitzen. Es gibt mehrere Arten verschiedener Größe. Experten streiten darüber, wie viele Arten und Unterarten tatsächlich biologisch nachweisbar gibt. Aber für die Sauerland-Seen sind drei Arten klar unterscheidbar. Da ist zunächst die Kleine Maräne, die mit ihrem kleinen Wuchs bis ca. 25 cm, vor allem aber ihrem oberständigen Maul eindeutig bestimmbar ist. Sie sieht entfernt aus wie ein kleiner Hering oder Stint und kommt wie diese in großen Schwärmen vor.

Maränen
Kleine Maräne (Coregonus albula)

Dann wurden Blaufelchen angesiedelt, die ein unterständiges Maul haben, bis ca. 45 cm groß werden und auf den silbernen Schuppen einen feinen blauen Glanz aufweisen.

Gefangene Blaufelchen
Blaufelchen (Coregonus wartmanni), links noch mit ihrem charakteristischen blauen Glanz

Ferner gibt es die Große Maräne, ein bis 70 cm abwachsender Fisch. Die Größe ist ihr Merkmal, hier ist es aber bei kleinen Fischen schon schwieriger, diese von Blaufelchen zu unterscheiden.

Angler mit großer Maräne
Große Maräne (Coregonus lavaretus) aus dem Möhnesee

Lebensweise

Renken sind Freiwasserfische, die sich recht tief im See aufhalten. So stehen sie oft auf 12-14 m, manchmal noch tiefer. Lediglich im Frühjahr kommen sie bei noch kaltem Wasser auch ins flachere Wasser bis auf vier Meter Tiefe. Manchmal kommen sie bei Gelegenheit aber auch an die Oberfläche, um dort schlüpfende Mücken zu jagen.

Sie ernähren sich von Kleingetier wie Plankton, Krebschen und wie erwähnt Mücken und deren Larvenformen. Da sie oft kleinste Nahrung bevorzugen, scheidet die Naturköderangelei auf Renken übrigens aus. Renken laichen im Spätherbst/Winter über freiem Wasser und deshalb haben Große Maräne und Blaufelchen im Sauerland auch vom 01. November bis 31. Dezember Schonzeit. Der Ruhrverband erbrütet am Möhnesee Große Maränen und Blaufelchen und besetzt zur Stützung des Bestandes jährlich Millionen von Brütlingen.

Renken leben in großen Schwärmen, größere Fische lösen sich aber auch gerne in kleinere Trupps auf. Insbesondere Kleine Maränen können zum (auch problematischen) Massenfisch (zu Lasten anderer Renkenarten) werden, in deren Gefolge sich dann gerne auch die Raubfische aufhalten. So stehen z.B. die großen Hechte oder Zander gerne bei den Maränen weit draußen im Freiwasser, sehr oft zum Leidwesen der Uferangler.

Renken wachsen in der Regel schnell ab und sind für ihre Größe exzellente Kämpfer an der Angel. Mit ihrem weichen Maul gewinnen sie öfter mal im Drill. Obendrein sind sie auch perfekte Speisefische, die man so kaum zu kaufen bekommt. Es ist also eine spannende Angelei auf diese schönen Fische, die man unbedingt einmal ausprobieren sollte.    
 

Mücken als Nahrung

Mückenlarven – wir kennen vom Angeln auf Friedfische ja z.B. die Rote Zuckmückenlarve – lebt am Gewässergrund, oft im Schlamm. Ist die Zeit reif, verpuppen sie sich und steigen dann in der Wassersäule zur Oberfläche auf (Aufsteiger), um dort als fertige Mücke zu schlüpfen und davonzufliegen. Mücken in allen ihren Entwicklungsstadien bilden eine der Hauptnahrungsquellen für Fische – besonders im Frühjahr, wenn das Wasser noch kalt und nahrungsarm ist. Auch für viele andere Fischarten wie Rotaugen, Forellen, Saiblinge, Kleinfische aller Art, ja sogar erstaunlich große Barsche und sogar Kaulbarsche. Und alle diese Fischarten kann man beim Angeln mit der Hegene auch als Fang erwarten, da wir diese Mückenlarven ja imitieren.

Verschiedene Fische am Haken
Rotaugen, Alpine Seesaiblinge, Kaulbarsche und andere Fischarten fängt man an der Hegene

Einsteiger

Gar nicht so selten erwischt man auch einen Einsteiger. Um die Renkenschwärme herum stehen große Räuber und schnappen sich schon mal einen im Drill an der Hegene zappelnden Fisch. Oft sind das Hechte und mit etwas Geduld, Gefühl und Glück kann man sie fangen. So hatte ich nach 70 Minuten Drill einmal einen 11,2 kg schweren Hecht im Boot, ein anderer Einsteiger verabschiedete sich nach 45 min Hinterherrudern letztlich doch ins Kraut und riss ab. Auch einen knapp 50er Barsch, der auf einen mittelgroßen Barsch, der an der Hegene hing, einstieg, konnte ich als PB vor ein paar Jahren beim Fischen vom Ufer aus keschern.    

Flussbarsch im Netz
Knapp 50er Flussbarsch als Einsteiger auf Hegene

Nachdem wir nun etwas über die mit der Hegene fangbaren Fische erfahren haben, dürft ihr euch in Teil II und III auf weitere interessante Informationen über Ausrüstung und Angeltaktik vom Praktiker freuen.

 

© Stefan Weigelt                     05.03.2021

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